Willkommen beim Bürger-Patienten-Treff Wuppertal

8. November 2010

UNSERE NÄCHSTEN TERMINE IN 2012:  

3. MAI  – 14. JUNI – 5. JULI – weitere Termine folgen                        TREFFPUNKT: HANDLUNGSRAUM DER RUDOLF-STEINER-SCHULE WUPPERTAL

Rund 40 Interessierte versammelten sich am 28. Mai 2009 in der Cafeteria der Rudolf-Steiner-Schule zum ersten Bürger-Patienten-Treff Wuppertal.

Die Teilnehmer des Stammtisches haben es sich zum Ziel gesetzt, sich aktiv in die  Gesundheitspolitik einzumischen (mehr zu unseren Zielen in unserem Archiv: Unsere Ziele).

 Angestoßen wurden die meisten Teilnehmer durch einen Vortrag von Renate Hartwig bzw. durch ihr Buch „Der verkaufte Patient“. Renate Hartwig setzt sich schon seit längerem für ein menschenwürdiges, soziales Gesundheitssystem ein und initiierte bereits über 500 Bürger-Patienten-Ärzte-Stammtsiche überall in Deutschland.

Hier erhält der Begriff „Mündiger Bürger“ wieder seine eigentliche Bedeutung.

Der Schulterschluss zwischen Patienten und Ärzten scheint ihr ein wichtiger Schritt, um eine mächtige Stimme gegenüber der Politik und der Lobby der Großkonzerne zu erheben (siehe auch ihre Internet-Seite http://www.patient-informiert-sich.de/ ).

 Auch der Bürger-Patienten-Treff Wuppertal ist überzeugt,

 dass wir uns wieder mehr informieren müssen,

dass wir uns mit den Ärzten an einen Tisch setzen müssen,

dass wir uns vermehrt einmischen müssen,

dass wir uns vehement wehren müssen,

dass wir selber nach Lösungen suchen müssen.

 Lassen auch Sie nicht zu, dass wir Verhältnisse wie in den USA bekommen!

Sehen Sie sich den Film „Sicko“ von Michael Moore als abschreckendes Beispiel an!

 Die sogenannte Gesundheitsreform in Deuschland scheint sich immer mehr zum Nachteil für Patienten und immer mehr zum Vorteil für Klinikgroßkonzernen zu entwickeln.

Monopolartig wird ein kommunales Krankenhaus nach dem anderen von den vier  Klinikgroßkonzernen aufgekauft. Krankenhäuser, die bisher angeblich immer in den roten Zahlen lagen, werden jetzt auf Profit getrimmt.

Hier kann der Patienten nicht mehr erwarten, dass er eine optimale Behandlung erfährt, sondern nach betriebswirtschaftlichen Aspekten behandelt wird.

Der Hauptaspekt: Profit, Profit für den Großkonzern, Profit für die Aktieninhaber – durch Kosteneinsparung und Behandlung der lukrativsten Krankheiten.

Ähnlich kritisch ist der Trend zu Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) zu sehen (siehe hierzu auch in unserem Archiv: MVZ – Fluch oder Segen?).

 Freie, unabhängige,  niedergelassene Ärzte stören in diesem Feld.

Durch Bugdetierung und Regressforderungen wird den freien niedergelassenen Ärzten das Leben systematisch schwer gemacht, dass viele ihre Praxis aufgeben müssen. Gleichzeitig werden Kassensitze von Gesundheitskonzernen aufgekauft, was die Freiheit in der medizinischen Versorgung noch mehr bedroht.

(mehr dazu in unserem Archiv: Kassenarzt – gestern, heute, morgen).

 Der Patient mutiert schleichend zur Ware.

Der Patient, besonders ein chronisch Kranker, fühlt sich zunehmend als Bittsteller.

 Dabei stellen sich grundsätzliche Fragen:

Kann das Gesundheitswesen wie ein normaler Markt funktionieren?

Wo bleibt die Solidarität mit Kranken, Armen und Alten?

 Verkaufsfähiger wird der Patient auch noch zusätzlich mit Hilfe der Politiker z.B.  durch die gnadenlose Einführung der elektronischen Gesundheitskarte.

Trotz zahlreicher Proteste seitens der Ärzte und Patienten wird das Projekt „ e-Card“ nicht gestoppt (siehe auch http://www.stoppt-die-e-card.de/  und in unserem Archiv: Vom zukünftigen Alltag in Apotheken mit der elektronischen Gesundheitskarte).

Den Bürgern wird verschwiegen, dass ihre Krankendaten auf einem zentralen Rechner gespeichert werden. Das Arztgeheimnis ist somit abgeschafft. Kein noch so ausgetüfteltes Sicherheitssystem garantiert dem Patienten, das irgendwann irgendwer unberechtigt auf seine sehr persönlichen Daten Zugriff haben kann.

 Und die Politiker? Vertreten sie uns oder verkaufen sie uns?

Beeinflusst durch die sogenannten Experten, die gleichzeitig personell und finanziell mit den Klinikgroßkonzernen, den Pharmakonzernen oder anderen Profiteuren der Privatisierung des Gesundheitswesen verwoben sind, haben Politiker kaum die Macht, im Sinne der Bürger-Patienten zu entscheiden.

Stattdessen lassen sie es zu, dass wir falsch informiert oder gar nicht informiert werden, gemäß dem Motto: Den mündigen Bürger kann es im komplizierten Geflecht des Gesundheitswesens nicht geben. Da müssen Experten ran.

Dass über Jahrzehnte Mythen im Gesundheitswesen von allen regierenden Parteien bedient werden, zeigt ein interessantes Buch von Hartmut Reiners „Mythen der Gesundheitspolitik“. (siehe auch unser Archiv: Buchvorstellung „Mythen der Gesundheitspolitik“ von Hartmut Reiners)

Lassen auch Sie sich kein X für ein U vormachen

und mischen Sie sich ein!

Zur alten Webseite

5. März 2010

http://alt.buerger-patienten-treff-wuppertal.de/

Thema: Wo bleiben unsere Beiträge?

4. März 2012

Beitrag der Westdeutschen Zeitung vom 1. März 2012

“Krankenkassen sitzen auf Milliarden – Bundesfinanzminister Schäuble schielt auf das überschüssige Geld in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wem steht es zu?” http://www.wz-newsline.de/home/politik/inland/krankenkassen-sitzen-auf-milliarden-1.922558

Im Anschluss an diesen Artikel kann der Leser an einer WZ Online Umfrage “Was sollte angesichts der Milliardenüberschüsse der Krankenkassen geschehen?” teilnehmen.

“TATORT GESUNDHEITSMAKRT (Wirtschafts-)Kriminalität in ihrer gesellschaftspolitischen Dimension” von Günter Gehl (Hrsg.)

4. März 2012

Verlag Bertuch – ISBN 978-3-937601-56-4

Inhaltsverzeichnis

Hans-Ulrich Deppe: Neoliberalismus und Krankenversorgung – Möglichkeiten des Missbrauchs und der Kriminalitätsentstehung

Hans See: Tatort Gesundheitsmarkt: Fakten und Hintergründe des Geschäfts mit der Krankheit

Frank Zieschang: Medizinische Forschung mithilfe von Drittmitteln – strafbare Vorteilsannahme?

Frank Schmitz: Tatort Gesundheitsmarkt: Ermittlungserfahrungen der AG Rhein-Lahn der Kriminaldirektion Koblenz

Peter Schmickler: Korruption und Betrug im Gesundheitswesen: Kasuistik im Bereich der Staatsanwaltschaft Koblenz – Abhandlung von Problemen

Matthias Klümper: Zusammenarbeit der Pharmaindustrie mit Ärzten

Klaus Lüderssen: Strafrechtliche Risiken in der medizinisch-akademischen Drittmittelforschung (unter Einbeziehung der Weiterbildung)

Hans-Jürgen Mahnkopf: Anmerkungen zu Verfahren (und ihren Problemen) gegen Angehörige der Heilberufe wegen Verdachts des Abrechnungsbetruges

Walter Bockemühl: Die Einrichtung von Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen nach §197a SGB V: Wirksames Instrument zur Bekämpfung von Korruption und Betrug im Gesundheitswesen?

“Die neue elektronische Gesundheitskarte – The same procedure as every year?” Information/Meinungen/Kritik/Quellen vom Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung e.V. (FIfF)

16. Oktober 2011

ISBN 978-3-9802468-8-0, Euro 5,00

Zusammenfassung einsehbar unter http://fiff.de/publikationen/broschueren/eGK-Broschuere-2 .

5. VORTRAG: “maxiDoc – die elektronische Patientenakte”

7. August 2011

Zusammenfassung vom Vortrag vom 7. Juli 2011

Dr. med. Franz Tenbrock, Facharzt für Allgemeinmedizin in Waltrop

„maxiDoc – Die elektronische Patientenakte“

Dr. Tenbrock stellte an diesem Abend eine bereits erprobte, in der Praxis bewährte Alternative zur e-card vor.

 Dr. Franz Tenbrock ist Allgemeinmediziner und betreibt seit 17 Jahren eine hausärztliche Praxis in Waltrop.

Schon in 2005 setzte Dr. Tenbrock sich kritisch mit der e-card auseinander. Er erwähnte auch die „neeCard“, eine Aktion von „Stoppt-die-e-Card“. Dr. Tenbrock gehört der Freien Ärzteschaft an, in der er mittlerweile Schriftführer in Westfalen ist. Er hält engen Kontakt zur Organisation „Stoppt-die-e-Card“  und betreibt fleißig Aufklärungsarbeit in seiner Praxis, um mehr Patienten über die e-card zu informieren. Aus seiner kritischen Haltung heraus suchte er Alternativen, nachdem

Motto „Nicht nur meckern, machen!“ oder „Geht nicht gibt’s nicht!.

 Dabei wurde er auf das Speichermedium USB-Stick aufmerksam. Mit anderen Ärzten und Programmierern begann er einen auf die Speicherung medizinischer Daten spezialisierten USB-Stick zu entwickeln, genannt „maxiDoc – Die elektronische Patientenakte“. Auf diesem USB-Stick lassen sich dezentral Krankheitsbilder, Röntgenaufnahmen und Arztberichte speichern. 

Der USB-Stick ist vorrangig für Patienten gedacht, die aufgrund der Art ihrer Erkrankung mehrere Ärzte konsultieren müssen und für die eine hohe Anzahl an medizinischen Untersuchungen durchgeführt werden.

Ca. 1000 Patienten benutzen bereits den USB-Stick von maxiDoc im täglichen Betrieb.

 Aus der Erkenntnis, dass es sich bei Gesundheits- bzw. Krankheitsdaten um hochsensible Daten geht, wurde intensiv an der Sicherheit von maxiDoc gearbeitet.

 Disease Management Programme, die Laborreform vom 1. Oktober 2008, Integrierte Versorgungs- und Selektivverträge sorgen sowieso schon dafür, dass der Patient auch ohne e-card bereits gläsern ist. Zum Beispiel werden seit dem 01.10.2008 die Blutwerte per Überweisung beim Labor bestellt, die Laborwerte sind somit auch außerhalb der Arztpraxis jedem Patienten direkt zuzuordnen. Dies ist nicht ohne Gefahr, da Labore mittlerweile  Großbetriebe sind. Wie es da um den Datenschutz steht, muss sich langfristig erst noch zeigen.

Mit der e-card werden zukünftig alle Patientendaten auch noch zentral gespeichert. Einmal gespeichert, lassen diese sich nie wieder entfernen und Fehler können nicht mehr korrigiert werden. Was wird da aus Fehldiagnosen, können diese jemals wieder restlos aus dem system entfernt werden.

 Mit einem USB-Stick wie von maxiDoc entscheidet der Patient selbst, welchem Arzt er seine Daten mit dem USB-Stick anvertraut. Seine Daten nimmt er nach der Behandlung via USB-Stick wieder mit. Er entscheidet auch, welche darauf gespeichert bleiben sollen und welche nicht. Alle Datenzugriffe werden transparent protokolliert.

 Dr. Tenbrock präsentierte uns, wie der USB-Stick von maxiDoc in der Praxis funktioniert:

Der Patient erhält von maxiDoc auf Bestellung und gegen ein Entgelt von momentan €60,00 einen bereits vorbereiteten USB-Stick.

Auf dem Stick muss zumindest Name, Vorname und Geburtstag sowie ein Foto gespeichert werden. Weitere Daten auf der immer sichtbaren( also auch ohne Passwort ) Notfallseite sind freiwillig. Hier entscheidet der Patient ob Notrufnummern, Chronische Erkrankungen, Impfungen, Allergien und weitere Informationen sichtbar sind.

 Der Kern des Systems mit den gespeicherten Dokumenten ist mit einem frei einstellbaren Passwort geschützt.  

 Der maxiDoc Stick funktioniert weltweit auf jedem aktuellen Windows Rechner, eine spezielle Software wird nicht benötigt. Alles was für die Funktion erforderlich ist, bringt der Stick mit.

 Für Ärzte wurde eine spezielle Software entwickelt, die einerseits für die Sicherheit der Arztrechner sorgt, andererseits aber auch den Datenaustausch von Stick zu Arztsystem ermöglicht.

Für den Arzt ist die Installation kostenlos.

Der Arzt benötigt keine spezielle Hardware, wie bei der e-card.

Mit der Übergabe des USB-Sticks von Patient an Arzt hat der Patient dem Arzt seines Vertrauens seine Einwilligung zur Einsicht in seine Krankendaten gegeben.

 Die Daten der Notfallseite sowie alle Bedienungselemente der Software sind in 15 Sprachen verfügbar. Die Umschaltung der Sprache geschieht auf Klick , eine Sprachbarriere im Ausland gibt es somit nicht, dies unterscheidet maxiDoc von der ecard, die nur in Deutschland selbst funktionieren wird.

 Um die Sicherheit des USB-Sticks zu gewährleisten, werden nur Formate benutzt, die nicht manipulierbar sind.

In 2008 wurde das System maxiDoc vom Hessischen Datenschutz geprüft. Dort wird dem System sinngemäß bescheinigt, dass es gegen Hackermethoden für den eingesetzten Zweck ausreichend verschlüsselt ist (siehe auch:  http://www.datenschutz.hessen.de/dg005.htm).

Seit der Prüfung wurde kontinuierlich an der Sicherheit des Systems weiter gearbeitet.

 Im Rahmen von IuK Gender med NRW wird die Fachhochschule für Informatik Dortmund maxiDoc erneut prüfen. Hier wird es in erster Linie darum gehen, ob die mit dem neuen mail Modul zu versendenden Dateien ausreichend verschlüsselt sind. Die Mail könnten ja mal an einem falschen Ort landen. Eventuell werden auch noch weitere Prüfungen durchgeführt. Das hängt von der Uni ab. Der Professor scheint sich sehr dafür interessiert. Eine Prüfung wie maxiDoc sich gegen Schadsoftware wehrt, wäre eine gute Sache.

 Des weiteren hat maxiDoc an dem Ziel2.NRW-Wettbewerb „IuK & Gender Med.NRW“ teilgenommen und gewonnen. Am 18. Juli 2011 wurden aus 105 Bewerbungen 25 Projekte gekürt, darunter auch das Projekt „maxiDoc Kommunikationsmodul“. (Siehe auch http://ikt.nrw.de/highlights/information/ikt/921erfolgreiche-gesundheitsanwendungen-durch-ikt-prozesse/)

 Mehr Infos auf der Internetseite von maxiDoc: http://www.maxidoc-health.com/

 Sollten Ärzte an dem System von maxiDoc interessiert sein, ist Dr. Tenbrock gerne bereit, vor Ort zu beraten. Je mehr bei dem System mitmachen, desto höher ist der Druck auf die Politiker, sich mit diesem Speichermedium auseinanderzusetzen. maxiDoc wird sich an den Bedürfnissen der Ärzte und Patienten orientieren, das hat uns Dr. Tenbrock versprochen.

 Es fragt sich mal wieder:

 Welche Interessen werden gedeckt, wenn am Projekt „e-card“ mit aller Macht festgehalten wird?

Das Projekt des Bundesgesundheitsministerium wird immer noch weiterbetrieben, obwohl es immer noch nicht funktioniert, obwohl von mehreren Ärztetagen und von vielen Patienten abgelehnt, obwohl es Alternativen zu e-card gibt.

Im Januar 2011 verdonnerte das Bundesgesundheitsministerium unter  Philip Rössler sogar die Krankenkassen per Gesetz dazu, bis Ende 2011 mindestens 10% ihre Versicherten mit der e-card auszustatten

 Warum werden Projekte wie „maxiDoc“, das den verantwortlichen Politikern bereits länger bekannt ist, nicht in Erwägung gezogen?

MÖGLICHE WEGE UND LÖSUNGEN?

18. November 2010

Der Bürger-Patienten-Treff Wuppertal ist zu der Überzeugung gelangt, dass wir selber nach Wegen und Lösungen im Gesundheitswesen suchen müssen. Die Politiker/innen schaffen es aufgrund mächtiger Lobbyisten nicht, sich für die Interessen der kleinen Bürger/innen  einzusetzen. Im folgenden sollen mögliche Lösungen und Wege aufgezeigt werden, wie wir wieder mehr Solidarität und Menschenwürde im Gesundheitswesen einfließen lassen können:

1) Die Initiative “Mehr Demokratie” wirbt für mehr direkte Mitbestimmung durch Bürger-und Volksentscheide. Gerade im Falle wichtiger Themen, wie z.B. die elektronische Gesundheitskarte oder der Verkauf kommunaler Krankenhäuser an Klinikkonzerne, wären Bürger- und Volksentscheide eine gute Möglichkeit, dass die Interessen der Bürger/innen und nicht der Konzerne mehr Berücksichtigung finden. http://nrw.mehr-demokratie.de/wuppertal.html

2) Solidargemeinschaften statt Krankenversicherung: Es gibt einige bereits funktionierende Solidargemeinschaften in Deutschland, die nach den Prinzipien Therapiefreiheit, Eigenverantwortung, Solidartät und Transparenz aufgebaut sind. Beispiele sind hierfür Samarita Solidargemeinschaft e.V ( http://www.samarita.de/)  oder ARTABANA Deutschland Solidargemeinschaft e.V. (http://www.artabana.org/portal/). Nicht von oben wird entschieden, was für Kranke gut ist, sondern von unten von dem Kranken selbst und seinen ihm solidarisch verbundenen Mitmenschen. Je mehr Bürger/innen hier mitmachen, desto stärker können sie sich gegen die großen privaten und gesetzlichen Krankenkassen positionieren.

3) Mehr Transparenz im Gesundheitswesen:

Auf der Seite von Transparency International  http://www.transparency.de/Gesundheitswesen.gesundheit.0.html ist zusammengefasst, inwieweit die Intransparenz im Gesundheitswesen die Korruption auf vielen Ebenen fördert. Die momentane Konstruktion der Kassenärztlichen Vereinigung trägt wohl eher nicht zur Transparenz bei.

 Sehr heikles Thema: Wo bleiben unsere Krankenversicherungs-Beiträge, die wir fleißig an die Krankenversicherungen zahlen? Auch hier würde Transparenz helfen. Ist wirklich zu wenig Geld im Gesundheitswesen vorhanden? Oder fließt ein nicht unheblicher Teil unserer Beiträge in Kanäle, die nicht den Versicherten zugute kommt.

 Renate Hartwig ruft für das Jahr 2012 das Motto aus: WO BLEIBEN UNSERE BEITRÄGE?; siehe mehr dazu die Internetseite : http://www.patientinformiertsich.de/aktuelle_meldungen/details.php?msgid=308&msgtyp=2

4) Mischen Sie bei den Petitionen zum Thema Gesundheitswesen mit

Gehen Sie auf folgende Internetseite https://epetitionen.bundestag.de/ und lesen Sie alles zum Thema Petitionen gut durch. Hier können Sie sich auch registrieren lassen und künftig Petitionen per Internet mitzeichnen.

 

News zur elektronischen Gesundheitskarte

15. November 2010

 

Wie sollten sich Gesetzlich Versicherte gegenüber ihren Krankenkassen verhalten? Dazu eine Link der Aktion “Stoppt-die-e-Card!”:  http://www.stoppt-die-e-card.de/index.php?/categories/6-FAQ

Gesetzliche Krankenversicherung werden zur Einführung verpflichtet aus heise online: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Elektronische-Gesundheitskarte-Zwangsmassnahme-E-Card-21-1135915.html

Über die Einführung der Black Box (Spionage Router) aus stoppt-die-e-card.de: http://www.stoppt-die-e-card.de/index.php?serendipity[subpage]=downloadmanager&thiscat=2&file=70

Ecard-freie Zone Heidenheim aus patient-informiert-sich.de: http://www.patient-informiert-sich.de/aktuelle_meldungen/details.php?msgid=124&msgtyp=3

 

Vortrag von Herrn Urban Vogel, Samarita Solidargemeinschaft e.V.

4. November 2010

aus dem Protokoll vom 15.04.2010

Rund 30 Teilnehmer konnten einen spannenden Vortrag und eine rege Diskussion erleben.

 Die Samarita wurde von acht Bürgern 1997 als Gesellschaft des Bürgerlichen Rechts ins Leben gerufen, mit dem Ziel, dem seit Jahrzehnten krankenden Gesundheitssystem entgegen zu treten.

 Je nach Zusammensetzung der jeweiligen Regierung tendiert jede Gesundheitsreform mal zur Einheitskasse mal zur Kopfpauschale. Eine Besserung der Verhältnisse ist nie eingetreten. Stattdessen werden nur die Interessen starker Lobbygruppen vertreten.

 Die Solidargemeinschaft sieht keine Lösung darin, dass eine Regierung die Gesundheit von 80 Millionen Bürgern von oben regelt. Das Ergebnis sind zahlreiche Vorschriften, zu viel Bürokratie, unter der auch die Ärzte und letztendlich die Bürger leiden.

 Stattdessen setzt die Solidargemeinschaft auf eine Umorientierung zu regionalen Strukturen, d.h. Berlin/Brüssel sollten die Rahmenbedingungen schaffen, die individuelle Umsetzung jedoch auf regionaler Ebene.

Gegenseitige Hilfe sollte nicht über die wirtschaftliche Ebene gehen.

 Die ersten Kriterien für die Samarita Solidargemeinschaft waren:

  1. Therapiefreiheit
  2. Solidarität
  3. Vertrauensbildung
  4. Transparenz

 Zur Gründungszeit hatten die Mitglieder die Möglichkeit, die höheren Risiken bei einer Privaten Krankenversicherung abzusichern. Kleinere und mittlere Risiken wurden durch Mittel der Gemeinschaft gedeckt.

Mit steigendem Interesse an dieser Solidargemeinschaft bildeten sich Regionalgruppen in ganz Deutschland.

 2004: Der Samarita-Entwicklungskreis wird gegründet.

 2005: Die Samarita löst sich auch von den Privaten Großversicherungen und trägt ab da auch die hohen Risiken.

 2006: Die Samarita nimmt eine rechtliche Überprüfung vor, damit noch mehr Leute teilnehmen können.

 2007: Auf politischer Ebene wird eine Krankenversicherungspflicht beschlossen. Das hätte das Aus für alle Solidargemeinschaften bedeutet, da sie keine Versicherung darstellen. Hilfreiche Befürworter der Solidargemeinschaft mit Draht nach Berlin sorgten dafür, dass das Gesetz nachgebessert wird. Nun stehen die Türen für Solidargemeinschaften generell wieder offen.

Die Samarita ändert ihre Rechtsform in einen eingetragenen Verein um.

  Überblick über die Organisation:

Grob beschrieben besteht die Samarita aus derzeit 8 Regionalgruppen. Deren Regionalvorstände bilden mit dem Vereinsvorstand den Gesamtvorstand.

Die Initiativen, Hauptaktivitäten, konkrete Hilfestellung für die Mitglieder und neue Impulse werden in den Regionalgruppen erarbeitet. Deren Interessen werden an den Gesamtvorstand weitergeleitet. 

Der Gesamtvorstand legt Rahmenbedingungen für alle fest, ist für strukturelle Aufgaben verantwortlich  und gibt Impulse an die Regionalgruppen zurück.

Ziel ist eine lebendige Organisation, mit Kommunikationspfeilen in beide Richtungen.

Dadurch, dass sich die Regionalgruppen mehrmals im Jahr treffen und die Größen überschaubar sind, entsteht eine sehr persönliche Verbindung. Oft weitet sich der Kontakt auf private Aktivitäten aus, was die Solidarität unter einander wiederum fördert.

Beitragsordnung:

Der Beitrag wird in zwei Hälften aufgeteilt:

Eine Hälfte des Monatsbeitrages wird auf ein Individualkonto, die andere in den Solidarfonds eingezahlt.

Über das Individualkonto kann das Mitglied entsprechend der Zuwendungsordnung selbst bestimmen.

Bezüglich des Solidarfonds gilt „Zuspruch statt Anspruch“. Die Solidargemeinschaft sieht es als Kernaufgabe der Solidargemeinschaft, sich gegenseitig zu helfen (Hilfe als Grundkultur).

Mehrere Erfahrungsberichte zeigen, dass die Menschlichkeit in der Solidargemeinschaft wieder in den Vordergrund tritt, nicht nur im Miteinander der Mitglieder sondern auch zwischen Patient und Arzt/Krankenhaus.

Das Kriterium „Wirtschaftlichkeit“ tritt in den Hintergrund.

  1. Beispiel: Einem Kind, das an einer Hautkrankheit erkrankte, wurde es ermöglicht, statt zwei Wochen im Krankenhaus zu liegen, zwei Wochen auf eine Insel zu fahren.

 

  1. Beispiel: Ein älteres Mitglied erkrankte schwer. Die Solidargemeinschaft und der Familienkreis ermöglichten es, das dieses Mitglied so lange wie möglich zu Hause betreut werden konnte.

 

  1. Beispiel: Ein Krankenhaus, welches im Falle einer gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung anhand der Fallpauschalen eher hohe Kosten abrechnet, kann mit einem Patienten in der Solidargemeinschaft günstiger abrechnen.

 

  1. Beispiel: Im System des Gesundheitsfonds ist der Arzt zu kurzen Behandlungszeiten gezwungen. Im System der Solidargemeinschaft steht die Heilung wieder im Vordergrund.

 Samarita Solidargemeinschaft und die Politik:

 2007 schliesst sich die Samarita mit anderen Solidargemeinschaften und Selbsthilfegruppen zu BASSG (= Bundesarbeitsgemeinschaft von Selbsthilfeeinrichtungen – Solidargemeinschaften im Gesundheitswesen) zusammen –

als Antwort auf die Gesundheitsreform 2007,  durch die alle Solidargemeinschaften gefährdet gewesen wären.

Durch gemeinsame Anstrengungen und Einflussnahme auf die Regierung erreichte man, dass

die Türen für Solidargemeinschaften wieder offen stehen.

Seit der Bundestagswahl 2009 macht der Verband der Privatkrankenkasse auf die Regierung Druck, um Solidargemeinschaften als Konkurrenz zu unterbinden.

Der Verband der Privatkrankenkassen ist mittlerweile personell in der Gesundheitskommission um Philip Rössler vertreten!

Urban Vogel ruft dazu auf, dass je mehr Bürger bei der Samarita Solidargemeinschaft sich beteiligen desto mehr Druck kann auf die Politiker ausgeübt werden.

Man kann

als Vollmitglied

als Mitglied in Zusatzfonds oder

als Fördermitglied beitreten.

Er bittet auch, dass ein jeder von uns bei unseren Gesetzlichen Krankenkassen anfragen sollte, ob man dort austreten kann, um bei der Solidargemeinschaft einzutreten.

Noch mehr und genauere Infos auf www.samarita.de

Buchbesprechung „Mythen der Gesundheitspolitik“ von Hartmut Reiners

4. November 2010

Zum Autor Hartmut Reiners:

Seit 1992 Referatsleiter Grundsatzfragen der Gesundheitspolitik im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg, Potsdam; zuvor in derselben Funktion in Nordrhein-Westfalen; 1987-1990 Mitglied der Enquête-Kommission “Strukturreform der gesetzlichen Krankenversicherung” des Deutschen Bundestags; Ökonom.

Das Buch behandelt die zehn am häufigsten anzutreffenden Mythen über unser Gesundheitswesen:

  1. die Kostenexplosion
  2. die ruinösen Lohnnebenkosten
  3. die verhängnisvolle demografische Entwicklung
  4. der teure medizinische Fortschritt
  5. die Vollkaskomentalität der Versicherten
  6. das Versagen der solidarischen Finanzierung
  7. der Ärztemangel
  8. die aufgeblähte Krankenkassenbürokratie
  9. das Heil im Wettbewerb
  10. die Notwendigkeit einer endgültigen großen Gesundheitsreform

Erschienen im Verlag Hans Huber, Bern, ISBN 978-3-456-84679-8

Zusammenfassun des ersten Kapitel „ Mythos: Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen“

Vor über 30 Jahren beschwor Heiner Geißler das Gespenst der Kostenexplosion und untermauerte dieses mit einem statistischen Trick („die dressierte Kurve).

Seitdem sind die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Focus der deutschen Gesundheitspolitik.

Hartmut Reiners zeigt, dass sich der Anteil der GKV-Ausgaben am  Bruttoinlandsprodukt (BIP = die Gesamtheit aller hergestellten Güter und Dienstleistungen) relativ konstant gehalten haben, wogegen die GKV-Beitragssätze ständig zunahmen.

Während also die GKV-Ausgaben konstant blieben, gaben die privaten Haushalte immer mehr für Gesundheit aus, weil Kosten für  Zahnersatz und Lohnfortzahlung voll auf die Versicherten abgewälzt wurde, weil von den Kassen getragenen Leistungen gekürzt wurden. Zu nennen sind hier noch der generelle Selbstbehalt der Versicherten und die so genannte „Praxisgebühr“.

Steigende Krankenkassenbeiträge sind somit nicht das Resultat überproportional zunehmender Ausgaben der Krankenkassen. H. Reiners sieht das Problem eher auf der Einnahmenseite.

Die beitragspflichtigen Einnahmen sind nicht im gleichen Maße gestiegen wie das allgemeine Wirtschaftswachstum (mit BIP als Indikator).

Die Kosten des Gesundheitswesen orientieren sich am BIP, aber  nicht an den tatsächlichen Einnahmen der Krankenkassen.

4. VORTRAG: Vom zukünftigen Alltag in Apotheken mit der elektronischen Gesundheitskarte

1. November 2010

Vortrag vom 27.08.2009 einer Pharmazeutischen Assistentin (PTA) in Wuppertal, Eva Schröder:

„Nach den Ausführungen von Dr. Kauert habe ich zunächst versucht, die Position der Apotheker zum elektronischen Rezept ausführlich darzustellen. Dazu hatte ich im Vorfeld ein langes Gespräch mit dem Kammerbeauftragten “Elektronisches Rezept” des Kreises Westfalen-Lippe sowie die schriftliche Stellungnahme der Standesorganisation ABDA, die eine genaue Beschreibung der praktischen Umsetzung, wie sie momentan geplant ist, enthält. Einige Punkte daraus:
Jedes Rezept muß mit einer 6- bis 8-stelligen PIN vom Apotheker geöffnet
werden und mit einer ebensolchen wieder geschlossen werden, bis zum Lesen können eines Rezeptes vergehen mindestens 15 Sekunden,
pro Rezept kann nur ein Medikament verordnet werden (Wieviele Patienten bekommen oft mehrere Medikamente verordnet? Wie lange soll er sich in der Apotheke aufhalten? Wie lange brauchen wir zur Belieferung des Rezeptes?). Will der Patient über Wechselwirkungen informiert werden, muß er seine PIN ebenfalls einlesen.
Eine Vertreterregelung, wenn andere Personen für jemanden, der nicht selbst zur Apotheke kommen kann (Bettlägrigkeit durch akute oder schwerwiegende Erkrankung, Heimbewohner), Rezepte einlösen, gibt es nicht,
die Abrechnungszentren sind nicht notwendig ausgestattet und auch nicht in die Testversuche, die auf dem möglichst einfachen Fall in zu geringer Zahl gelaufen sind, einbezogen.
Fazit der ABDA (Zitat): Es wird zu einem praxisuntauglichen Fiasko bei der Einführung des elektronischen Rezeptes in der derzeitigen Planung kommen!
Hier habe ich abgeraten, unter den jetzigen Bedingungen (natürlich auch für die Ärzte, Physiotherapeuten, Logopäden usw.) als Patient der Gesundheitskarte zuzustimmen, zumal auch die Datenschutzfragen nicht zufrieden stellend geklärt sind.
Die von der Regierung immer wieder genannten Gründe zur Einführung der E-Card haben andere und ich ebenfalls angesprochen:
Doppeluntersuchungen finden nur noch in sehr geringem Maße statt, und die wenigen können auch mit den normalen Versicherungskarten entdeckt und damit weiter reduziert werden.
Wechselwirkungen von Medikamenten, die angeblich zu 30000 bis 50000 Toten pro Jahr in Deutschland führen sollen, werden in den gut ausgerüsteten PC’s der Apotheken heute schon angezeigt (dazu sind die persönlichen Daten der Patienten nicht notwendig; lediglich was sonst
noch eingenommen wird, muß abgefragt werden) , so dass Gespräche zwischen dem geschulten Personal und Patient sowie im Bedarf mit dem Arzt geführt werden können. Die auch immer wieder vorgeschobenen Notfalldaten machen keinen Sinn:
der Arzt hat im Notfall die Aufgabe, Herz- und Kreislauffunktionen sowie die Atmung zu stabilisieren, so dass Angaben zur Blutgruppe, Allergien, Vorerkrankungen usw. erst nach dem Notfall wichtig sind. Hierzu können dann Patient und gegebenenfalls Angehörige befragt oder Krankenakten anderer Ärzte (z.B. Hausarzt) angefordert werden bzw. entsprechend
notwendige, z.T. vorgeschriebene Untersuchungen (Blutschnelltest) durchgeführt werden.

Zum Schluß habe ich noch darauf hingewiesen, dass ein Krankenversicherungssystem ähnlich der jetzigen Privatversicherung, selbstverständlich mit sozialer Absicherung, Vorteile hätte. 30% der
gesamten Gesundheitskosten in Deutschland werden momentan von 10% privat
Krankenversicherten bezahlt. Für den Patienten hat das den Vorteil der
Transparenz (welche Untersuchungen sind gemacht worden und kosten
wieviel), bei höheren Rechnungsbeträgen gibt es die Möglichkeit der
Abtrittserklärung, so dass sofort zwischen Arzt/Krankenhaus und
Krankenkasse abgerechnet werden kann. Zudem schaffen es die
Privatkrankenkassen, aus den Rechnungsbeträgen noch die sogenannte
Altersrückstellung abzuführen, damit der Patient im Alter nicht zu hohe
Beiträge zahlt.“